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Ich hatte nie eine gute Beziehung zum Radsport. Dann kam Tik Tok 😅

Ich hatte nie eine gute Beziehung zum Radsport. Dann kam Tik Tok 😅

Warum immer mehr Frauen aufs Rad steigen, was Social Media damit zu tun hat, und was Scott mit der Contessa-Linie (öffnet in neuem Tab) richtig macht.


„The bicycle is the most civilized conveyance known to man. Other forms of transport grow daily more nightmarish. Only the bicycle remains pure in heart." — Iris Murdoch

Ich gestehe: Ich hatte nie eine gute Beziehung zum Radsport. Maximal das Rad, um in der Stadt von A nach B zu kommen, war akzeptabel für mich. Rennräder waren lange der maximale Ausdruck meiner Aversion gegenüber dem Rad. Rennradfahren ist für gebräunte Männer in Lycra. Eine Welt, die mich abstieß.

Und dann schlich sich langsam ein Interesse ein. Weil, seien wir ehrlich: Viele Rennradfahrer sehen verdammt gut am Rad aus. Aber es war mehr als das. Es kam ein Interesse auf, selbst Rennrad zu fahren. Woher es kam? Mehr und mehr Menschen am Rad. Die einzige Sportart neben Schwimmen, zu der ich meinen Significant Other überzeugen konnte, es zu machen: das waren Faktoren. Doch was die Veränderung viel mehr triggt (und das freut eine alte Campaignerin wie mich) sind die vielen Datenpunkte, wo mir Biken in den sozialen Netzwerken begegnet. Im Feed tauchten sie auf: Mädels auf Rennrädern. Frauen, die ihre erste 50-Kilometer-Tour dokumentierten, verschwitzt und stolz. Frauen, die über Alpenpässe fuhren und danach Espresso tranken. Kein Wettkampfmodus, kein Gatekeeping. Einfach: Bewegung, Landschaft, Gemeinschaft.

Ich wollte wissen, ob mein Gefühl sich mit Zahlen deckt. Also habe ich nachgeschaut.

@cami0926h (öffnet in neuem Tab)

I’m just a girl that loves pink!!!🫠💓🚴🏽‍♀️ #cyclinggirl (öffnet in neuem Tab) #cyclistgirl (öffnet in neuem Tab) #cycling (öffnet in neuem Tab) #ootd (öffnet in neuem Tab) #girlies (öffnet in neuem Tab)

♬ Copines - Aya Nakamura (öffnet in neuem Tab)

Die Zahlen: Was tatsächlich passiert

11 Prozent. So stark ist der Anteil weiblicher Radfahrerinnen auf Strava (öffnet in neuem Tab) im Jahr 2024 gestiegen. Frauen waren 20 Prozent häufiger als Männer die Schnellsten auf einem Strava-Segment: ein Zeichen wachsender Ernsthaftigkeit, wachsender Kompetenz.

Garmin (öffnet in neuem Tab) bestätigt den Trend: Frauen sind die am schnellsten wachsende Demografie in der Garmin-Community, mit einem Plus von 9 Prozent bei Radfahraktivitäten.

Was auffällt: Die Bewegung kommt von den Jungen. Bei den unter 35-Jährigen hat sich die Aktivität auf Strava in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Die Generation Z fährt anders als ihre Vorgänger: kürzer, schneller, und fast immer mit anderen. Sie haben 11 Prozent mehr Online-Communities und virtuelle Cycling Clubs gegründet. Das Rad ist für sie weniger Trainingsgerät und mehr soziales Ritual. Statt der Kneipe aufs Rad. (Ob man das am Nassfeld auch so sieht? Ich müsste mal Claudia fragen, wie die Perspektive ist vom HutAb in Hermagor zum Hütchen an der Gail.)

Der europäische Fahrradmarkt liegt bei geschätzten 16,3 Milliarden Euro (öffnet in neuem Tab) (2024). Das Segment „Frauen" wächst mit einer jährlichen Rate von 10 Prozent: doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt.

Und trotzdem: Drei- bis viermal mehr Männer als Frauen fahren weltweit auf der Straße. Der Zuwachs ist real. Die Lücke auch.

@mountainbikegirl (öffnet in neuem Tab)

🚴‍♂️🔥 #road (öffnet in neuem Tab) #power (öffnet in neuem Tab) #rider (öffnet in neuem Tab) #cute (öffnet in neuem Tab) #sexy (öffnet in neuem Tab) #girls (öffnet in neuem Tab) #mountainbikegirl (öffnet in neuem Tab)

♬ Come and Get Your Love - From Avengers Endgame Soundtrack - Max Rackle (öffnet in neuem Tab)

Was den Hype antreibt: Social Media als Demokratisierungsmaschine

Die Frage ist also: Was ist passiert? Warum jetzt? Und warum diese Generation?

Die Antwort beginnt mit einem Bildschirm.

Social Media hat für den Frauenradsport gelöst, was Jahrzehnte fehlender Investition und Berichterstattung nicht lösen konnten: Sichtbarkeit. Radfahrerinnen brauchten keine Fernsehsender mehr, die sich für sie interessieren. Sie brauchten ein Handy und eine gute Route.

Auf TikTok sind es die „Get ready with me"-Videos fürs Radfahren, die Fortschrittsdokumentationen, die ehrlichen Berichte nach der ersten Bergfahrt. 165 weibliche Cycling-Influencerinnen sind allein über ihre TikTok-Bios identifizierbar. Hashtags wie #cyclinggirl und #girlswhoride sind lebendige Communities geworden.

Auf Instagram folgen 2,6 Millionen Menschen den offiziellen Kanälen der Tour de France Femmes: 700.000 mehr als im Vorjahr. In den USA verfolgten 45 Prozent der Zuschauer:innen das Rennen primär über Instagram.

Der Mechanismus ist einfach und wirkungsvoll: Du siehst eine Frau, die so aussieht wie du, auf einem Rennrad, durch eine Landschaft, die du kennst. Und plötzlich ist der Sport vorstellbar. Die Barriere sinkt. Die Einladung steht. Das Rad als Requisite eines Lebensstils, der Wellness und Leistung verbindet, ohne die Einschüchterung eines CrossFit-Studios.

Laura Kirkpatrick (@lauradoessports (öffnet in neuem Tab)) hat 2023 als Anfängerin angefangen, ihren Weg dokumentiert, und kündigte ihren Bürojob, um Vollzeit Cycling-Content zu produzieren. Diese „Vom Sofa auf die Straße"-Erzählung ist kraftvoll, weil sie die niedrigste aller Hürden zeigt: Du musst nur anfangen.

Warum es funktioniert: sechs Gründe

  1. Sichtbarkeit erzeugt Teilnahme. Wer Frauen auf Rädern sieht, kann sich selbst dort vorstellen. Social Media hat die Gatekeeper der traditionellen Sportberichterstattung umgangen.
  2. Die Ästhetik. Radsport ist von Natur aus photogen: Landschaft, schlanke Linien, Körper in Bewegung. Das funktioniert auf visuellen Plattformen besser als fast jede andere Sportart.
  3. Gemeinschaft statt Wettkampf. Gen Z fährt Rad als soziale, achtsame Aktivität: Gruppenfahrten, Café-Stops, geteilte Strava-Segmente. Social Media macht es einfach, Gleichgesinnte zu finden.
  4. Niedrige Einstiegshürde. Im Gegensatz zu Sportarten, die jahrelanges Training erfordern, zeigt Cycling-Content den Weg von „Ich habe gerade ein Rad gekauft" bis „Ich bin 100 km gefahren." Das ist einladend. Und wer sich erst einmal testen will: dafür gibt es Verleih. Bei uns im Sölle Shop zum Beispiel.
  5. Körper als Werkzeug, als Fähigkeit. Es gibt eine Verschiebung in der Fitness-Kultur: weg von der Frage, wie der Körper aussieht, hin zu dem, was er kann. Radsport feiert Distanzen und Höhenmeter. (Dass die Ästhetik trotzdem eine Rolle spielt, gehört zur ehrlichen Betrachtung.)
  6. Werte-Alignment. Gen Z lebt Nachhaltigkeit. Radfahren als Transport und Sport passt zu einem ökologisch bewussten Selbstverständnis, das sichtbar geteilt werden will.

Der Boom der Tour de France Femmes

Und dann ist da das Rennen, das alles verändert hat.

25,7 Millionen Menschen (öffnet in neuem Tab) in Frankreich sahen 2025 mindestens eine Minute der Tour de France Femmes. 7,4 Millionen mehr als im Vorjahr. Das Finale zog durchschnittlich 4,4 Millionen Zuschauer:innen an, mit einem Spitzenwert von 7,7 Millionen.

Auf Social Media: über 34 Millionen angesehene Videos. Eine Versechsfachung gegenüber dem Vorjahr.

Besonders bemerkenswert: Bei den 15- bis 24-Jährigen lag der Zuschaueranteil bei 32,6 Prozent. Eine Generation, die angeblich nichts mehr live schaut, schaltet für Radfahrerinnen ein.

Was hier entsteht, ist ein Schwungrad: Mehr Sichtbarkeit erzeugt mehr Social-Media-Inhalte, die mehr Frauen zum Fahren inspirieren, die wiederum ein größeres Publikum bilden, das mehr Investitionen rechtfertigt. Zum ersten Mal dreht sich dieser Kreislauf selbstverstärkend.

Wem gehört der Boom?

Ich möchte ehrlich sein, weil ich glaube, dass man Trends nur ernst nehmen kann, wenn man auch ihre Schattenseiten benennt.

Kundinnen, keine Athletinnen

Die Industrie hat Frauen als Kundinnen identifiziert. Das zeigen die Wachstumszahlen im Segment „Women's Bikes" und die Marketingkampagnen der großen Marken. Gleichzeitig bleibt der Frauensport strukturell unterfinanziert: Nur 15 Prozent der aktuellen Sportberichterstattung widmet sich Frauenwettbewerben. Befragte einer Strava-Umfrage schauten mit 26 Prozent geringerer Wahrscheinlichkeit Frauensport als Männersport. Das Geld fließt in die Konsumentin, selten in die Athletin. Diese Diskrepanz verdient Aufmerksamkeit.

Wir bei Sölle sehen das aus der Praxis: Wenn eine Frau zu uns kommt und ein Rad will, interessiert uns, wie sie fahren will. Welches Gelände. Welche Distanz. Welche Ambitionen. Ob sie gerade erst anfängt oder ob sie ihren zweiten Alpencross plant. Die Frage „Welche Farbe?" kommt bei uns am Schluss.

Die Schattenseite von Social Media

Cyclingnews hat ausführlich über Sexualisierung, Misogynie und Online-Belästigung berichtet, die Radfahrerinnen auf sozialen Plattformen erleben. Wer sichtbar wird, wird auch angreifbar.

Und dann ist da „Fitspiration": der TikTok-Trend, der Fitness-Idealbilder propagiert. Eine Studie in Frontiers in Psychology (2025) (öffnet in neuem Tab) zeigt, dass der Konsum von Fitspiration-Inhalten den Vergleich mit Schönheitsidealen verstärkt, die Körperzufriedenheit senkt und die Stimmung verschlechtert. Die gleiche Plattform, die Frauen zum Radfahren motiviert, kann auch den Druck erhöhen, dabei „richtig" auszusehen.

Die Wahrheit liegt in der Spannung: Social Media öffnet Türen und schafft gleichzeitig neue Erwartungen. Beides gleichzeitig auszuhalten ist anspruchsvoller, als sich für eine Seite zu entscheiden.

Ich hatte nie eine gute Beziehung zum Radsport. Dann kam Tik Tok 😅

Scott und die Contessa-Linie: Was „für Frauen gemacht" wirklich bedeutet

Es gibt einen Satz, den die Branche kennt und den man kritisch hinterfragen muss: „Shrink it and pink it." Rahmen kleiner machen, Farbe ändern, „Women's" draufschreiben. Fertig.

Scott hat mit der Contessa-Linie einen anderen Weg eingeschlagen, und deshalb lohnt sich ein genauer Blick.

Die Philosophie

Contessa ist Scotts Dachmarke für Frauen: Rennräder, Mountainbikes, Gravelbikes, E-Bikes. Die Unterscheidung zu den Unisex-Modellen liegt in den Details, die beim Fahren den Unterschied machen:

  • Kontaktpunkte: Frauenspezifischer Sattel, schmalerer Lenker, kürzere Kurbeln, angepasste Griffe. Jedes Teil ist darauf ausgelegt, Komfort, Leistung und Handling für weibliche Körperproportionen zu optimieren.
  • Fahrwerks-Tuning: Bei MTB- und Gravel-Modellen sind die Federungen auf leichtere Fahrer:innen abgestimmt, damit sie auch bei geringerem Gewicht richtig arbeiten.
  • Eigenständiges Design: Eine eigene Farbwelt und grafische Linie, entwickelt von einem Team, das ausschließlich an der Frauen-Kollektion arbeitet.
  • Rahmengeometrie: Gleiche Basisgeometrie wie die Unisex-Modelle, aber mit Feinabstimmung bei den Kontaktpunkten und einem Größenspektrum, das kleiner beginnt.

Auf der Straße: Contessa Addict

Das Kernstück der Rennradlinie.

Die Contessa Addict 25 fährt auf der racigeren Seite der Endurance-Kategorie: 72° Steuerrohrwinkel, 551,6 mm Stack, 387 mm Reach. HMF-Carbon-Rahmen, 25 Prozent mehr Komfort (Compliance) als der rennorientierte Addict RC, 50 Prozent mehr als das Vorgängermodell. Reifenfreiheit bis 38 mm: genug Spielraum für schlechtere Straßen und Wintereinsätze mit Schutzblechen.

BikeRadar hat sie als Women's Bike of the Year ausgezeichnet.

Die Contessa Addict RC 15 geht noch einen Schritt weiter: Scotts leichtester Produktionsrahmen (599 g in Größe M), gefertigt im PP-Mandrel-Verfahren mit Wandstärken ab 0,6 mm. Für die, die Rennen fahren wollen.

Im Gelände: Contessa Speedster Gravel

Die Contessa Speedster Gravel 15 kommt mit Shimano GRX (dem Gravelbike-spezifischen Antrieb) und 45C Schwalbe G-One Bite Reifen: ernsthaft geländetauglich. Aluminium-Rahmen, Carbon-Gabel.

Die Contessa Speedster Gravel 25 EQ („EQ" steht für equipped: Schutzblechaufnahmen, Gepäckträger-Kompatibilität) mit Shimano Tiagra und 20 Gängen ist ein Alltagsbike, das auch auf Schotter funktioniert.

Und dann die Contessa Speedster Gravel eRIDE 25: die E-Bike-Variante, die eine der wichtigsten Barrieren für den Einstieg senkt: die Fitness-Schwelle. Wer sich das Nassfeld erstmal mit etwas Unterstützung erarbeiten will, bevor die Beine allein übernehmen: dafür ist dieses Rad gemacht.

Wann kommt das Frauen-Bike-Camp am Nassfeld?

Im deutschsprachigen Raum bewegt sich einiges: Immer mehr Veranstaltungen bieten Frauenstartblöcke an. Women-Only-Camps werden beliebter, weil sie Trainingsräume schaffen, die technisch fordern und gleichzeitig ermutigen. Die Zahl weiblicher Trainerinnen wächst langsam, und das verändert die lokale Radsportkultur spürbar.

Die Strava-Daten zeigen es für den DACH-Raum deutlich: Radfahren boomt bei jungen Menschen, und Frauen holen auf.

Und jetzt die Frage, die ich mir stelle: Wann gibt es das hier bei uns?

Weil: Die Region hätte alles, was man dafür braucht. Das Gailtal, den Plöckenpass, die Runde über den Nassfeld-Pass nach Pontebba. Und das, was diese Gegend von den meisten anderen Bike-Regionen im DACH-Raum unterscheidet: Du fährst über den Berg und bist in Italien. Kaffee trinken, Spritz trinken, retour. Oder gleich weiter nach Slowenien. Drei Länder an einem Tag, mit dem Rad.

Für ein Frauen-Bike-Camp wäre das ein Angebot, das anderswo schwer zu replizieren ist. Kärnten, Friaul, Slowenien: drei Länder, drei Küchen, drei Kulturen, ein Rad.

Was wir bei Sölle beobachten: Frauen kommen immer öfter mit klaren Vorstellungen zu uns. Sie wissen, welche Reifenbreite sie wollen. Sie fragen nach Geometriedaten. Sie haben sich auf TikTok und Instagram informiert, bevor sie den Sölle Shop betreten. Die Zeit, in der Frauen „irgendein hübsches Rad" wollten, ist vorbei.

Falls jemand ein Frauen-Bike-Camp in Kärnten oder Friaul plant, oder es bereits eines gibt und wir es schlicht noch nicht auf dem Schirm haben: schreibt uns.

Was bleibt: Die Spannung aushalten

Radsport erlebt gerade seinen ersten selbstverstärkenden Wachstumszyklus für Frauen. Die Tour de France Femmes erzeugt Social-Media-Inhalte, die Frauen zum Fahren inspirieren, die ein Publikum bilden, das Investitionen rechtfertigt, die wiederum bessere Rennen, bessere Übertragungen und bessere Produkte ermöglichen.

Und gleichzeitig: Die Infrastruktur hinkt hinterher. Frauen werden als Konsumentinnen gefeiert und als Athletinnen unterfinanziert. Social Media motiviert und erzeugt Druck. Die „richtige" Ästhetik, der „richtige" Körper, die „richtige" Ausrüstung: die Demokratisierung bringt neue Normen mit sich.

Ich finde, man kann beides feiern und kritisieren. Die Tatsache, dass mehr Frauen fahren, ist gut. Die Tatsache, dass die Gründe dafür auch mit unrealistischen Idealbildern, mit Konsumdruck und mit einer Industrie zusammenhängen, die Kundinnen schneller entdeckt hat als Athletinnen: das gehört genauso dazu.

Wer bei Sölle ein Rad kauft oder leiht, kauft ein Werkzeug. Für Wege, die man noch finden muss. Für Anstiege, die wehtun werden. Für Samstage, an denen man verschwitzt und zufrieden zurückkommt.

Was zählt, ist das Erlebnis. Das, was zwischen Start und Ziel passiert. Der Rest ist Instagram.

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